Mein Gespräch mit LokalPlus

Presse

Ende Juli unterhielt ich mich mit Rüdiger Kahlke über meine Zeit im Bundestag. Das Interview wurde jetzt zum Ende der Legislaturperiode von LokalPlus veröffentlicht.

05. September 2017 - SPD-Abgeordnete scheidet nach acht Jahren aus dem Bundestag aus - Petra Crone: „Man muss auch mit zusammengebissenen Zähnen abstimmen“


Petra Crone blickt im Interview auf ihre acht Jahre im Bundestag zurück. (Foto: Simone M. Neumann)

Kreis Olpe. Acht Jahre im Deutschen Bundestag gehen am Dienstag, 5. September, quasi zu Ende: An diesem Tag nimmt Petra Crone von der SPD letztmals als Abgeordnete in Berlin an einer Plenarsitzung teil. 2009 war sie bei ihrer ersten Kandidatur über die Landesliste ins Parlament eingezogen, im schwierigen, weil CDU-dominierten Wahlkreis 149, der den südlichen Märkischen Kreis und den Kreis Olpe umfasst. Auf eine erneute Kandidatur hat die Sozialdemokratin verzichtet – freiwillig. Im Gespräch mit LokalPlus-Mitarbeiter zieht sie eine Bilanz ihrer zwei Amtsperioden im Deutschen Bundestag.

Frau Crone, acht Jahre im Bundestag. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Diese Zeit hat meinen Horizont unglaublich erweitert. Da ist die Zusammenarbeit mit jungen Leuten im Team, aber auch viele, viele Gespräche mit hochinteressanten Menschen. Ich denke auch an die Delegationsreisen wie zum UN-Waldforum in New York oder zu Palmölplantagen in Vietnam. Oder die Frage: Wie läuft es mit der Pflege und dem Sozialsystem in den Niederlanden und den skandinavischen Ländern? Das hat mich sehr weitergebracht. Man sagt ja immer, in der Politik gibt es keine Freundschaften. Ich kann nur sagen, dass nachhaltige Freundschaften entstanden sind.

Was werden Sie ab September vermissen?

Auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen und den Mitarbeiterinnen.

Was gewinnen Sie mit Ende des Mandats?

Eine neue Freiheit, mehr Zeit für die Familie und Freunde, aber auch fürs Ehrenamt. Ich bin froh, dass ich mich entschieden habe, freiwillig aufzuhören, zum richtigen Zeitpunkt.



Was schätzen Sie als Ihren größten Erfolg ein?

Die Reform der Pflegeberufe, aber auch das Lohntransparenzgesetz, an dem ich mitgearbeitet habe. Das bringt einen Fuß in die Tür zu mehr Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Ich hätte auch gerne das Bundesjagdgesetz mit verabschiedet. Es war alles fertig, dann hat Seehofer (bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, Anm. d. Red.)  „nein“ gesagt. Das zeigt: Die Arbeit in der großen Koalition ist auch mühselig. Man hat mit zwei unterschiedlichen Partnern zu tun.

Welche Ereignisse waren besonders belastend?

Ganz sicher, die Entscheidungen für Auslandseinsätze. Oft muss man in der Koalition auch mit zusammengebissenen Zähnen abstimmen. Man ist in der Zwickmühle. Das belastet.

Wo fühlt man sich ohnmächtig, obwohl man doch ganz nah dran ist an der Macht?

Auch wenn ich mich als freie Abgeordnete fühle, muss man klein beigeben und Kompromisse eingehen. Oft empfinde ich eine starke Ablehnung der Politik und viel Hetze im Internet. Das hat zugenommen in den acht Jahren. Da fühle ich mich ohnmächtig. Man denkt, Demokratie ist normal und selbstverständlich, aber man muss immer dafür kämpfen. Mir ist auch der europäische Gedanke wichtig. Dass es auch da bröckelt, hätte ich so nicht gedacht.

Bei der Bilanz Ihrer ersten 100 Tage im Parlament hatten Sie gesagt: „Reden ist anders als zu Hause vor Publikum“. Wo liegt der Unterschied?

Es gibt eine größere Öffentlichkeit. Unter Umständen wird gefilmt für Nachrichtensendungen. Da muss alles stimmen. Was man sagt, bietet zudem Angriffspunkte. Man muss Zwischenrufe oder Fragen parieren. Die erste Rede war am Aufregendsten aber auch meine letzte vor der Sommerpause war keine Routine.

Was ist das Rezept, geerdet zu bleiben, nicht abzuheben?

Viel im Wahlkreis unterwegs sein, präsent zu sein, mit vielen ins Gespräch zu kommen, auch mit jungen Leuten, Schulklassen zum Beispiel. Wichtig ist auch, kritikfähig zu bleiben und mögliche Fehler zuzugeben.

Welche Wesenszüge sind für ein Bundestagsmitglied hilfreich?

Menschen lieben, Offenheit und Kritikfähigkeit

Was würden Sie Ihrer Nachfolgerin im Wahlkreis raten?

Ich gebe da keine Ratschläge. Jeder muss seine eigene Art finden Politik zu machen. Es ist nie gut, wenn Alte den Jungen raten, was sie tun sollen.

 

 
 

Kommentare

Neue Kommentare erscheinen nicht sofort. Sie werden von der Redaktion freigegeben. Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

Die Trackback-URL ist die Adresse dieser Seite.

Kommentar eingeben


Speichern

Keine Kommentare vorhanden

 

Suchen

 

Für den Wahlkreis 149 nach Berlin

Ich wünsche meiner Nachfolgerin viel Erfolg bei der Bundestagswahl am 24. September 2017
Homepage  |  Facebook  |  NRWSPD

 

Kalender

Alle Termine öffnen.

25.09.2017, 11:30 Uhr
Berlin
Sitzung SPD-Parteivorstand

26.09.2017, 14:00 Uhr
Berlin
Landesgruppe der NRWSPD

26.09.2017, 15:00 Uhr
Berlin
Gemeinsame Fraktionssitzung der MdB 18. und 19. Wahlperiode

13.11.2017, 14:00 Uhr
Vor Ort in Meinerzhagen-Valbert
Arbeitskreis "Demografie - Lebenslanges Lernen"

Alle Termine anzeigen

 

Deutscher Bundestag




Auch für Kinder ...


... und Jugendliche

 

Surftipp

Internetseite des Arbeitskreises Demografie

Neue Abteilung im Bundesfamilienministerium

 

Programmatisches